Von Stockwerken im Schwebezustand.
Aus dem 17. Jahrhundert stammt das Fachwerkkleinod in der Luitpoldstraße, mitten in der Seßlacher Altstadt. Am 23. März bildete es die eindrucksvolle Kulisse für unser Bauherrengespräch.
Rund zwanzig Interessierte nahmen an der Veranstaltung teil – darunter viele Eigentümer historischer Gebäude, die bereits saniert haben oder sich aktuell mitten im Sanierungsprozess befinden. Wobei „aktuell“ durchaus relativ ist: Solche Projekte können sich über Monate, oft aber auch über Jahre erstrecken – abhängig davon, wie viel Zeit zur Verfügung steht, wie viel Eigenleistung eingebracht wird und welche finanziellen Mittel vorhanden sind.
Bei Familie Sebald ging die Sanierung – nicht zuletzt dank großer Eigenleistung und eines eigenen Maschinenparks – vergleichsweise zügig voran, auch wenn einige Herausforderungen zu meistern waren. So meldete das beauftragte Bauunternehmen mitten in der Bauphase Insolvenz an. Kurzerhand entschieden sich die Sebalds, die Arbeiter zu übernehmen und das Projekt in Eigenregie fortzuführen.
Auch die Rettung des ersten Obergeschosses des Einzeldenkmals mit seinem historischen Fachwerk aus dem 17. Jahrhundert verlangte Mut und kreative Lösungen. Das marode Erdgeschoss wurde vollständig abgetragen, sodass das Obergeschoss samt Dach zeitweise auf wenigen, aber stabilen Pfosten „schwebte“. Auf dem neu errichteten Fundament wurde anschließend das Erdgeschoss wieder aufgebaut, bevor schließlich auch das Obergeschoss wieder sicher aufgesetzt werden konnte.
Begrüßt wurden die Teilnehmenden von Seßlachs Bürgermeister Maximilian Neeb und unserer Patin für Bauen & Wohnen, Itzgrunds Bürgermeisterin Nina Liebermann. Beide würdigten das große private Engagement der Immobilieneigentümer und deren wichtigen Beitrag zum Erhalt historischer Baukultur. Zudem stellte Herr Neeb die Broschüre „Fachwerklehrpfad in Seßlach“ vor, der im Rahmen einer Masterarbeit von Helen Sauer und Nicholas Tuffner an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg entstanden ist.
Im Anschluss führten Inge und Albert Sebald die Gäste durch die neu gestalteten, modernen Räume. Im Erdgeschoss ist derzeit das Büro eines Landtagsabgeordneten untergebracht, während im Obergeschoss die Wohnung des Hofnachfolgers, Sohn Niklas, besichtigt werden konnte. Danach ging es weiter in den Kultursaal der Alten Schule in Seßlach. Dort präsentierte Albert Sebald eindrucksvolle Bilder aus der Bauphase bis hin zur Fertigstellung. Architekt Martin Burgsmüller ergänzte die Einblicke mit Informationen zu Genehmigungsverfahren und Fördermöglichkeiten.
Das Geheimnis für den zügigen Baufortschritt wurde am Ende dann doch noch gelüftet: Inge Sebald, gelernte Hauswirtschafterin, verriet schmunzelnd: „Zu uns kommen Handwerker immer gerne – sie wissen, dass bei mir nicht nur gut, sondern auch reichlich gekocht wird.“
Oder, wie man in diesem Fall wohl sagen kann: Wer ganze Stockwerke zum Schweben bringt und damit eine echte Mammutaufgabe meistert, braucht auch die passende Stärkung – am besten in Form eines ordentlichen Mammutschnitzels. Kein Wunder also, dass die Baustelle dabei wie geölt lief.
Familie Sebald wurde im Rahmen unseres Baukulturpreises 2018 ausgezeichnet.
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